{"id":100,"date":"2020-11-15T17:02:34","date_gmt":"2020-11-15T17:02:34","guid":{"rendered":"https:\/\/sichtbar-lernen.de\/?p=100"},"modified":"2020-11-16T10:01:06","modified_gmt":"2020-11-16T10:01:06","slug":"sicheres-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sichtbar-lernen.de\/?p=100","title":{"rendered":"Sicheres Lernen"},"content":{"rendered":"\r\n<h1 style=\"font-size: 24px;\">Altersdifferenzierte Pr\u00e4senz- und Betreuungsszenarien in der Pandemie\u00a0&#8211; Eine Konzeptskizze f\u00fcr allgemeinbildende Schulen der Sekundarstufe I und II<\/h1>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorwort<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Um den Fortbestand des Unterrichts und die Gesundheit aller Menschen in der Schulgemeinde sicherzustellen (wie es u.a. Lambert Austermann in seinem offenen Brief <a href=\"https:\/\/sichtbar-lernen.de\/?p=97\">hier<\/a> fordert), haben wir, Patricia Drewes, Lars Zumbansen und David Tepa\u00dfe, im November 2020 eine Konzeptskizze f\u00fcr weiterf\u00fchrende Schulen entwickelt. Diese m\u00f6chten wir hier teilen und zur Diskussion stellen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vor\u00fcberlegungen<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul>\r\n<li>An den Schulen ist es nicht mehr m\u00f6glich, Pr\u00e4senzunterricht als Regelbetrieb in vollem Stundenumfang durchzuf\u00fchren, beispielsweise, weil viele Kolleg*innen und\/oder Sch\u00fcler*innen erkrankt oder in Quarant\u00e4ne sind oder die Inzidenz lokal sehr hoch ist.<\/li>\r\n<li>Die Schulen insbesondere im gebundenen Ganztag haben aber u.a. den Auftrag, die Sch\u00fcler*innen auch zu betreuen, insbesondere in der Erprobungsstufe.\u00a0<\/li>\r\n<li>Die bisherige Form des Distanzunterrichts, das hei\u00dft die Betreuung von\u00a0 Lerngruppen jenseits des regul\u00e4ren Stundenplans, kann in diesem Setting nicht praktiziert werden, da sie neben dem Pr\u00e4senzunterricht (auch wenn er einschr\u00e4nkt ist) zu einer Doppelbelastung der Lehrer*innen f\u00fchren w\u00fcrde.\u00a0<\/li>\r\n<li>Die Pr\u00e4senzstundenpl\u00e4ne k\u00f6nnen im eingeschr\u00e4nkten Regelbetrieb zum einen aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden, zum anderen wegen fehlender technischer Ausstattung nicht 1:1 in einen synchronen Distanzunterricht\u00a0 \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/li>\r\n<li>Daher brauchen die Schulen ein Modell eines eingeschr\u00e4nkten Regelbetriebs, der es erlaubt\u00a0\r\n<ul>\r\n<li>(1) <strong>zu differenzieren<\/strong>: die j\u00fcngsten Sch\u00fcler*innen sollen (auch laut Empfehlung des RKI und laut <a href=\"https:\/\/www.schulministerium.nrw.de\/ministerium\/schulverwaltung\/schulmail-archiv\/archiv-2020\/21102020-ergaenzende-informationen-zum\">NRW-Schulmail<\/a> vom 21.10.2020) m\u00f6glichst durchg\u00e4ngig in der Schule betreut werden, bei den \u00e4lteren Sch\u00fcler*innen kann man mit Modellen aus Pr\u00e4senz und Distanz arbeiten.<\/li>\r\n<li>(2) <strong>zu flexibilisieren<\/strong>: jede Schule sollte nach Ma\u00dfgabe der eigenen Voraussetzungen (technisch, personell und infrastrukturell) entscheiden, welche Jahrgangsstufen in welchem genauen Turnus in der Schule sind.<\/li>\r\n<li>(3) <strong>Personal in Pr\u00e4senz vor Ort flexibel einzuteilen<\/strong>: um die Study Hall mit ausreichend Personal zu besetzen (und damit einer Benachteiligung bestimmter Sch\u00fcler*innen vorzubeugen), soll an anderer Stelle Personal eingespart werden.<\/li>\r\n<li>(4) durch die st\u00e4ndige Anwesenheit der Erprobungsstufe wird an der Schule auch <strong>keine zus\u00e4tzliche Notbetreuung<\/strong> mehr ben\u00f6tigt.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konzept geteilter Lerngruppen in Pr\u00e4senz vs. Hybridkonzept<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das hier vorgeschlagene Konzept unterscheidet sich von dem in einigen Bundesl\u00e4ndern (z.B. Niedersachsen) bereits praktizierten Hybridmodellen. Diese sehen z.B. eine pauschale Halbierung der Lerngruppen vor, wobei immer ein Teil in Pr\u00e4senz, der andere in Distanz unterrichtet wird. Organisatorisch scheint dieses Modell ohne weiteren zus\u00e4tzlichen Aufwand f\u00fcr jede Schule adaptierbar, allerdings weist es einige Schw\u00e4chen auf:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul>\r\n<li>Ein <strong>durchgehender Betreuungsanspruch<\/strong> insbesondere f\u00fcr die Erprobungsstufe <strong>l\u00e4sst sich mit einem Hybridmodell nicht realisieren<\/strong>, da auch in den Klassen 5 und 6 immer die H\u00e4lfte der Sch\u00fclerschaft systemisch fehlt. Gerade f\u00fcr j\u00fcngere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erscheint zudem eine durchgehende t\u00e4gliche Rhythmisierung und Strukturierung des Schulalltages unerl\u00e4sslich. (Siehe Punkt 1 oben). Weiterhin ist an gebundenen Ganztagsschulen die M\u00f6glichkeit einer durchgehenden Mittagsverpflegung f\u00fcr die Sch\u00fcler*innen der Erprobungsstufe gegeben.<\/li>\r\n<li>Hybridmodelle f\u00fchren &#8211; im Falle nicht konzeptionell entwickelter Varianten, die erprobte Blended-Learning-Konzepte zu Grunde legen &#8211; zu einer systemischen Doppelbelastung der Lehrer*innen, die immer synchron im Pr\u00e4senzunterricht gebunden sind und parallel dazu ihre Lerngruppe auf Distanz betreuen m\u00fcssen. Dies erfordert eine \u201cdoppelte Unterrichtsplanung\u201d und f\u00fchrt eventuell zu einem Auseinanderentwickeln der Lernst\u00e4nde der geteilten Lerngruppen.<\/li>\r\n<li>Mit Hybridmodellen ist deutlich schwieriger zu flexibilisieren (unter 1. schon in der Erprobungsstufe zu sehen). Hier sind insbesondere die infrastrukturellen Voraussetzungen (z.B. haben einige Schulen bestimmte Jahrgangsstufen 1:1 mit digitalen Endger\u00e4ten ausgestattet, anderen fehlen Ausstattung und WLAN) und die personellen Gegebenheiten der jeweiligen Schule nur schwer mit in die Planung einzubeziehen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beispiel-Pr\u00e4senzpl\u00e4ne f\u00fcr 4 Wochen<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das Konzept der \u201cgeteilten Lerngruppen in Pr\u00e4senz\u201d halbiert wie Hybridmodelle die Sch\u00fclerschaft, allerdings hier unterteilt nach Jahrg\u00e4ngen, d.h., bei einer Schule mit acht Jahrgangsstufen sind immer vier Jahrg\u00e4nge in Pr\u00e4senz sowie vier in Distanz. Dieses vorgeschlagene Beispiel sorgt f\u00fcr einen durchgehenden Pr\u00e4senzunterricht der Erprobungsstufe. Die \u00fcbrigen Jahrgangsstufen kommen in einem rollierenden System, wobei auch hier schulformspezifisch und mit Blick auf die Raum- und Personalsituation weitere Jahrgangsstufen priorisiert werden k\u00f6nnen. F\u00fcr eine Sekundarschule und Gesamtschule w\u00e4re dies etwa noch die Jahrgangsstufe 10 als Abschlussjahrgang. In einem 4-Wochenplan etwa w\u00fcrden im <a href=\"https:\/\/www.gymnasium-harsewinkel.de\/\">Gymnasium Harsewinkel<\/a> etwa der Abschlussjahrgang Q2 2x in Pr\u00e4senz und 2x in Distanz erscheinen, die Jahrgangsstufe 9 hingegen nur 1x in Pr\u00e4senz und 3x in Distanz. Hintergrund ist der Umstand, dass die Jahrgangsstufe 9 in Harsewinkel seit 2 Jahren mit digitalen Endger\u00e4ten ausgestattet und das asynchrone, selbstverantwortliche Arbeiten gew\u00f6hnt ist. Nach einem \u00e4hnlichen Prinzip der rollierenden\u00a0 Anwesenheit verschiedener Jahrg\u00e4nge wurden z.B. auch am <a href=\"https:\/\/www.gymnasium-bethel.de\/\">Gymnasium Bethel<\/a> jeweils ganze Jahrg\u00e4nge in geteilten Lerngruppen mit durchg\u00e4ngiger Fachlehrerpr\u00e4senz in allen Lerngruppen beschult, was dadurch m\u00f6glich wurde, dass das zeitliche Grundmuster von 45 bzw. 90 Minuten aufgebrochen und durch Kurzstunden von 35 bzw. 70 Minuten ersetzt wurde. Wir zeigen diese Beispiele an dieser Stelle auf, um deutlich zu machen, dass verschiedene Schulen je nach personeller und technischer Ausstattung verschiedene L\u00f6sungen finden k\u00f6nnen und sollten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Andere Schulen k\u00f6nnen, abh\u00e4ngig von den strukturellen Voraussetzungen, andere L\u00f6sungen entwickeln und ihre Modelle gern in der Kommentarfunktion vorstellen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gymnasium (G8)<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\">\r\n<table>\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td>W. 1<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 9)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 6 <\/strong>( ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 8)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 7 <\/strong>(ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der EF)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. Q2<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall\/ Study Rooms<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>W. 2<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5 <\/strong>(ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. Q2)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 6<\/strong>\u00a0 (ggf. (zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 9 )<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. <\/strong>8<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. Q1<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall\/ Study Rooms<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>W. 3<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5 <\/strong>(ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 8)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 6 <\/strong>(ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. Q1)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 9<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Jgst. EF<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall\/ Study Rooms<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>W. 4<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5 <\/strong>(ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 9)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 6<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 8)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 7<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. EF)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. Q2<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall\/ Study Rooms<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>und so weiter<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gesamtschulen (G9)<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\">\r\n<table>\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td>W. 1<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 9)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 6<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 8)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 10<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Jgst. Q2<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall \/ Study Rooms<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>W. 2<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. Q2)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 7<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 9 )<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 8<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. EF)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. Q1<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall \/ zus\u00e4tzlich vor allem f\u00fcr die 6er: klassenbezogene SR<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>W. 3<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 8)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 6<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. Q1)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 9<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Jgst. EF<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall \/ Study Rooms<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>W. 4<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 5<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 9)<br \/><br \/><\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 7<\/strong> (ggf. zus\u00e4tzlich betreut durch L der Jgst. 8)<\/td>\r\n<td><strong>Jgst. 10<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Jgst. Q2<\/strong><\/td>\r\n<td><strong>Study-Hall \/ zus\u00e4tzlich vor allem f\u00fcr die 6er: klassenbezogene SR<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>und so weiter<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<td>\u00a0<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unterst\u00fctzende Betreuungs- und F\u00f6rderma\u00dfnahmen in Pr\u00e4senz<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Generell wird w\u00e4hrend der Phase des eingeschr\u00e4nkten Regelbetriebs de<strong>r Study Hall<\/strong> und den <strong>Study Rooms<\/strong> als schulisch betreuten pr\u00e4sentischen Lernorten eine zentrale Bedeutung zukommen. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Mittel- und Oberstufe k\u00f6nnen dabei die vorhandenen strukturellen und personellen Ressourcen vor Ort in Anspruch nehmen. Das kann unter Umst\u00e4nden auch hei\u00dfen, dass am schulischen Arbeitsplatz ein Handapparat mit B\u00fcchern und analogen Lernhilfen eingerichtet wird. Konkret sind dazu z.B. auch die Lehrerinnen und Lehrer in den Aufsichten eingeplant, die die Sch\u00fcler*innen kennen und die sich daher in besonderer Weise als vertraute Ansprechpartner*innen qualifizieren.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u00dcber ein Buchungssystem sind die Pl\u00e4tze und ggf. besondere F\u00f6rder- und Betreuungsbedarfe in der Study Hall zu erfassen. Dabei k\u00f6nnen bei Bedarf auch weitere digitale Endger\u00e4te der Schule in Anspruch genommen werden. Zudem k\u00f6nnen die Klassenleitungen im Falle besonderer F\u00f6rderbedarfe oder bei Schwierigkeiten der Selbstregulation Sch\u00fcler*innen verpflichtend in die Study Hall einbestellen (selektive Pr\u00e4senzen).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr die Oberstufe besteht die M\u00f6glichkeit, sich f\u00fcr eine bestimmte Zeit in (kleine) R\u00e4ume vor Ort, sogenannte\u00a0 \u201cStudy Rooms\u201d, einzubuchen und diese f\u00fcr Phasen insbesondere der fachlichen Kooperation und Kollaboration zu nutzen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Didaktische Grundannahmen f\u00fcr das Arbeiten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu Hause<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das hier ausgearbeitete Modell gew\u00e4hrleistet in den einzelnen Lerngruppen ein grunds\u00e4tzlich gleichschrittiges Vorgehen. So alternieren f\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Phasen des synchronen Lernens im geteilten Klassenverband in Pr\u00e4senz und Phasen des asynchronen, selbstverantwortlichen Lernens in Distanz. Die Rhythmisierung ist zwar individuell angepasst, folgt dabei aber konsequent einem Blended-Learning-Konzept. Dies bedeutet, dass im Idealfall Input- und Erarbeitungsphasen in Distanz stattfinden und von den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit Scaffolding der Lehrkr\u00e4fte selbstst\u00e4ndig absolviert werden. Die Pr\u00e4senzphasen dienen sodann der plenaren Diskussion, Vertiefung und Anwendung des Gelernten. Nichtsdestotrotz erm\u00f6glicht dieses Modell auch in den Phasen des Distanzunterrichts eine st\u00e4rkere lehrseitige Unterst\u00fctzung, da durch die Absenz von je vier Jahrg\u00e4ngen mehr personelle Ressourcen freigesetzt werden als f\u00fcr die Betreuung der \u201cverdoppelten Jahrg\u00e4nge\u201d vor Ort ben\u00f6tigt werden (s. Tabelle oben).\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im Einzelfall bedeutet dies, dass im Sinne der Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftsstabilisierenden Funktion, die Schule zugeschrieben wird, gen\u00fcgend Personal bereit steht f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung in der Study Hall. Ggf. ist es bei entsprechenden Raumkapazit\u00e4ten auch m\u00f6glich, jahrgangsbezogene Study Halls (etwa in der Aula, dem Selbstlernzentrum, gro\u00dfen Konferenzr\u00e4umen etc.) einzurichten und von Lehrer*innen betreuen zu lassen, die die Sch\u00fcler*innen aktuell selbst unterrichten. Weiterhin sind so durch das jeweils freigesetzte Personal flankierende Videokonferenzen f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Distanz realisierbar. Auf der Grundlage zahlreicher Evaluationen mit Sch\u00fclern und Eltern hat sich herausgestellt, dass eine zentrale Funktion der Videokonferenzen weniger die synchrone Wissensvermittlung darstellt, sondern diese vor allem der Strukturierung des Lerntages und Beziehungspflege (etwa durch morgendlich ritualisierte Startveranstaltungen) dienen sowie zur 1:1-Beratung im Kontext von Sprechzeiten genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Organisatorische Bedingungen<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bei der Erstellung der neuen Raumpl\u00e4ne f\u00fcr altersdifferenzierte Pr\u00e4senz ist vor allem darauf zu achten, dass die geteilten Lerngruppen nebeneinander liegen und im Idealfall die Jahrgangsstufen auch in einem Geb\u00e4ude untergebracht sind. Damit sind die \u201cLaufwege\u201d f\u00fcr die betreuenden Lehrer*innen kurz und die Durchmischung mit anderen Stufen w\u00e4hrend der Pausen wird unterbunden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul>\r\n<li>bei der Betreuung sollten feste Lehrer*innen-\u201cKlassenbuddies\u201d im Idealfall unter Nutzung des bisherigen Stundenplaneinsatzes geschaffen werden, z.B. Lehrer*innen, die die 9a am Montag unterrichtet h\u00e4tten, betreuen an diesem Tag die 5a in ihrem Fach)<\/li>\r\n<li>Neben dem Stundenplan f\u00fcr den Pr\u00e4senzunterricht sollten insbesondere denjenigen Klassen und Jahrg\u00e4ngen, die nicht durchg\u00e4ngig in Pr\u00e4senz in der Schule sind, Wochenpl\u00e4ne oder Padlets zur Verf\u00fcgung gestellt werden, die Aufgaben und Projekte f\u00fcr die\u00a0 einzelnen F\u00e4cher transparent abbilden.\u00a0<\/li>\r\n<li>Die Fachlehrer*innen einer Klasse sollten sich vor allem ab Klasse 7 w\u00f6chentlich im Klassenteam \u00fcber die Aufgaben und Projekte der Klassen abstimmen, damit eine sinnvolle Mischung aus unterschiedlichen Herausforderungen f\u00fcr die Sch\u00fcler*innen entsteht und sich auch asynchrone Formen der Leistungs\u00fcberpr\u00fcfung nicht ballen.\u00a0<\/li>\r\n<li>Eltern und v.a. Sch\u00fcler*innen ab Klasse 7 werden regelm\u00e4\u00dfig zu ihrer Arbeitsbelastung im Distanzunterricht gefragt; in R\u00fccksprache mit den Elternvertreter*innen sollten danach ggf. z\u00fcgig Anpassungen vorgenommen werden. Dazu sollten in zweiw\u00f6chigem Rhythmus Abstimmungstermine mit den Elternpflegschaftsvorsitzenden vorgenommen werden.\u00a0<\/li>\r\n<li>F\u00fcr die Oberstufe (insbesondere die EF) sollte mit Blick auf den Distanzunterricht ein Tutor*innensystem etabliert werden, bei dem 4-5 Sch\u00fcler*innen eine*n Tutor*in haben, der sie mit Blick auf Arbeitsbelastung, soziale Situation u.\u00e4. ber\u00e4t. In der Q1 \/ Q2 kann diese Aufgabe auch von den Leistungskurslehrer*innen wahrgenommen werden.\u00a0<\/li>\r\n<li>Alle Lehrer*innen sollten ein Logbuch f\u00fchren, aus dem insbesondere mit Blick auf den Distanzunterricht ersichtlich ist, welche curricularen Schwerpunkte gesetzt wurden.\u00a0<\/li>\r\n<li>Dadurch, dass die Erprobungsstufe immer in der Schule ist und die Klassen getrennt werden, muss eine Jahrgangsstufe in andere R\u00e4umlichkeiten ausweichen. Daher muss ein konsistenter Raumplan erstellt werden.<\/li>\r\n<li>F\u00fcr eine Teilung der Lerngruppen ist insbesondere mit Blick auf den Sportunterricht (oftmals beschr\u00e4nkte Hallen-\/Raumkapazit\u00e4ten) eine Absprache der Kolleg*innen erforderlich, sport-affine Besch\u00e4ftigungen mit Abstand zu erm\u00f6glichen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konkretisierende Modellbeispiele<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Abschlie\u00dfend m\u00f6chten wir dieses Konzept anhand einer typischen Schulwoche prototypisch vorstellen:\u00a0<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Max, 5. Schuljahr:<\/strong> Max befindet sich in der Erprobungsstufe einer weiterf\u00fchrenden Schule. F\u00fcr ihn \u00e4ndert sich durch den eingeschr\u00e4nkten Regelbetrieb fast nichts. Sein Unterricht findet vollumf\u00e4nglich in der Schule statt \u2013 mit einem Unterschied: Max\u2018 Klasse, in der 30 Sch\u00fcler*innen lernen, ist auf zwei R\u00e4ume verteilt und wird im Regelfall von zwei Lehrer*innen betreut, die eng zusammenarbeiten. Max kann jeden Tag in der Schulmensa essen, auf dem Schulhof seine Freund*innen treffen und in kleinen Lerngruppen in Ruhe lernen. Wenn er Fragen hat, kann ihm innerhalb dieser kleinen Gruppe von Mitsch\u00fcler*innen und der betreuenden Lehrkraft schnell geholfen werden. Max\u2018 Eltern sind sehr zufrieden mit dieser L\u00f6sung, weil sie es erm\u00f6glicht, dass Max durchg\u00e4ngig in der Schule betreut wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Elif, 8. Schuljahr:<\/strong> Elif lernt in dieser Woche nicht in der Schule, sondern am heimischen Schreibtisch. Die Lehrer*innen ihrer Klasse haben ihr dazu am Montagmorgen den Link zu einem Padlet geschickt, in dem festgehalten ist, in welchem Fach sie in dieser Woche synchron und asynchron arbeitet. So finden sich in diesem Padlet Arbeitsauftr\u00e4ge, fest terminierte Videokonferenzen in verschiedenen F\u00e4chern, Hinweise zu Erledigungsfristen und zu erstellenden Produkten. Elif wei\u00df, dass sie ihre Lehrer*innen zu deren Dienstzeiten jederzeit anschreiben darf und ebenso wie im Pr\u00e4senzunterricht eine Antwort erh\u00e4lt, wenn sie eine Frage hat. Besonders gut findet sie es, dass ihre Lehrer*innen bei der Unterrichtsplanung ber\u00fccksichtigen, dass Kooperation und Kommunikation bei der Aufgabenerledigung wichtig sind. So gibt es immer wieder Phasen, in denen Elif sich mit ihren Mitsch\u00fcler*innen per Telefon oder Videokonferenz zusammenschaltet, Aufgaben bespricht und Peer Feedback erh\u00e4lt. Elif lernt gern in Ruhe zu Hause. Elifs Freundin Hannah hingegen kann sich zu Hause eher schwer motivieren und hatte bei der Schulschlie\u00dfung im Fr\u00fchling und Fr\u00fchsommer gro\u00dfe Probleme, ihre Aufgaben innerhalb bestimmter Fristen zu erledigen. Darum hat sie sich jetzt einen Platz in der Study Hall ihrer Schule\u00a0 gebucht. Dort hat sie sich in einem gro\u00dfen Klassenraum einen Arbeitsplatz mit Schulb\u00fcchern, Heften und \u00dcbungsmaterial eingerichtet. Besonders gut findet sie es, dass dort \u00fcber die Woche verteilt Lehrer*innen verschiedener F\u00e4cher sitzen und ihr mit mehr Ruhe als im Fachunterricht helfen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Dana, Q2:<\/strong> Dana ist in dieser Woche in der Schule. In kleinen Kursen (wie Religion) findet der Unterricht in der gesamten Gruppe statt, gr\u00f6\u00dfere Gruppen (wie\u00a0 ihr Biologie-LK) werden geteilt. Dadurch, dass die R\u00e4ume f\u00fcr die geteilten Kurse nebeneinander liegen und die Lehrer*innen den Unterricht mithilfe eines digitalen R\u00fcckgrats seit Beginn der ersten Schulschlie\u00dfung so gestalten, dass alle auf dieselben digitalen Ressourcen (Kursheft, Whiteboard, Pinnwand) zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, ist es f\u00fcr Dana in Arbeitsphasen zweitrangig, ob sie neben Tim sitzt oder Tim im Nebenraum ihre Arbeitsprodukte digital kommentiert. Danas Freundin Julie besucht eine andere Schule, die, wie viele andere, noch auf WLAN und Arbeitsger\u00e4te f\u00fcr Sch\u00fcler*innen wartet. Auch dort funktioniert das Zwei-Raum-Prinzip; zwar fehlt die digitale Infrastruktur, daf\u00fcr hat die Schule dort das Prinzip des \u201eLernens durch Lehren\u201c installiert: Phasenweise \u00fcbernehmen dort Sch\u00fcler*innen in enger Absprache mit den Lehrkr\u00e4ften kleinere Phasen des Unterrichts. Erg\u00e4nzend dazu arbeiten die Lehrer*innen beider Schulen nach dem Flipped-Classroom-Prinzip: Sie nehmen eine Vorentlastung des Unterrichts durch Verlagerung von Input- und Instruktionsphasen in den h\u00e4uslichen Bereich vor und nutzen die Unterrichtszeit f\u00fcr die Kl\u00e4rung von Fragen, \u00dcbungsphasen und Diskussionen. Manchmal liest Dana in der Zeitung, ihre Generation sei ein \u201eCorona-Opfer\u201c. Dana mag nicht so recht daran glauben. Zwar ist ihr Unterricht anders als vor einem Jahr, aber das ist f\u00fcr sie nicht schlecht: Sie merkt, dass ihre Lehrer*innen intensiv weiterlernen und alles daf\u00fcr tun, dass sie gut auf ihre Pr\u00fcfungen vorbereitet ist. Ihre Beziehung zu den Lehrer*innen ist durch die individuelle Betreuung wesentlich intensiver geworden. Dana arbeitet fast nur noch digital, mag dabei vor allem die kollaborativen Elemente &#8211; und vor allem hat sie mehr Verantwortung f\u00fcr ihr eigenes Lernen \u00fcbernommen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Matthias Meier<\/strong>: Herr Meier unterrichtet Deutsch und Biologie in den Sekundarstufen I und II. Er ist Klassenlehrer einer 8. Klasse, die auch Elif besucht; au\u00dferdem unterrichtet er Biologie im LK, den Dana gew\u00e4hlt hat. Weil die 8. Klasse in dieser Woche nicht vor Ort ist, hat er sich f\u00fcr seine F\u00e4cher Aufgabenstellungen \u00fcberlegt, die seine Sch\u00fcler*innen zu Hause erledigen k\u00f6nnen. In Biologie soll ein digitales Herbarium angelegt werden. Dazu m\u00fcssen die Sch\u00fcler*innen den Schreibtisch verlassen und Wald und Wiesen aufsuchen, sammeln, trocknen, fotografieren und digital dokumentieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im Deutschunterricht arbeiten die Sch\u00fcler*innen an einem Portfolio zur Ein\u00fcbung eines erweiterten Textsortenspektrums. Ihre Aufgabe ist es in dieser Woche, einen argumentierenden Text in einem Etherpad zu verfassen und sich digital Peer Feedback einzuholen. Im Plenum werden in der n\u00e4chsten Woche die \u00fcberarbeiteten Fassungen vorgestellt und offene Fragen gekl\u00e4rt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In der Q2 findet sein Biologieunterricht in dieser Woche in physischer Pr\u00e4senz statt. Weil Biologie ein beliebtes LK-Fach ist, werden die 20 Sch\u00fcler*innen auf zwei R\u00e4ume verteilt. Herr Meier wechselt regelm\u00e4\u00dfig zwischen diesen beiden R\u00e4umen, in denen die Sch\u00fcler*innen in digitalen Gruppen auf der Basis eines gemeinsamen Padlets arbeiten. Weil Dana in Biologie sehr fit ist, hat sie Herrn Meier vorgeschlagen, dass sie in ihrer Teilgruppe in Absprache mit Herrn Meier kleinere Moderationsphasen \u00fcbernimmt, deren Ergebnisse Herr Meier wiederum sichtet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>W\u00e4hrend die Achtkl\u00e4ssler zu Hause oder in der Study Hall arbeiten, begleitet Herr Meier seine Kollegin Frau Kaminski im Deutsch- und Biologieunterricht der Erprobungsstufe. Die beiden sprechen sich w\u00f6chentlich 1x ab, damit Herr Meier auch in den Teillerngruppen entsprechend Hilfestellung leisten und auf Sch\u00fcler*innen mit Lernproblemen eingehen kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Schule, in der Herr Meier arbeitet, hat zu Beginn des neuen Schuljahrs eine Bedarfsabfrage gemacht, bei der sich herausstellte, dass viele Sch\u00fcler*innen digitale Endger\u00e4te nutzen konnten; die \u00fcbrigen werden, bis die Ger\u00e4te aus dem Soforthilfeprogramm eintreffen, mit Leihger\u00e4ten der Schule bzw. durch Ger\u00e4tespenden ausgestattet, die der F\u00f6rderverein unterst\u00fctzt. Diese digitale Basisausstattung, verbunden mit der Study Hall, stimmt Herrn Meier zuversichtlich, dass seine Schule neben der kognitiven weiterhin auch ihre soziale und kommunikative Funktion in der Pandemie erf\u00fcllen kann, auch wenn nicht alle Menschen an jedem Tag am selben Ort lernen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Autor*innen: <\/strong>Patricia Drewes, David Tepa\u00dfe, Lars Zumbansen<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den Fortbestand des Unterrichts und die Gesundheit aller Menschen in der Schulgemeinde sicherzustellen (wie es u.a. Lambert Austermann in seinem offenen Brief hier fordert), haben wir, Patricia Drewes, Lars Zumbansen und David Tepa\u00dfe, im November 2020 eine Konzeptskizze f\u00fcr weiterf\u00fchrende Schulen entwickelt. 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