{"id":5,"date":"2020-07-19T09:06:51","date_gmt":"2020-07-19T09:06:51","guid":{"rendered":"http:\/\/tepasse.uber.space\/?p=5"},"modified":"2020-07-19T09:37:44","modified_gmt":"2020-07-19T09:37:44","slug":"interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sichtbar-lernen.de\/?p=5","title":{"rendered":"Interview"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\">In der NW vom 20.7.2020<\/p>\n\n\n\n<p><em>Herr Tepa\u00dfe, stellen wir uns mal eine ideale Welt vor. In der ist jede Schule optimal mit Soft- und Hardware ausger\u00fcstet und Lehrer und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wissen auch, wie man alles bedient. Wie kann diese moderne Schule aussehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe:<\/strong> In dieser idealen Welt wird an allen Schulen die Kultur der Digitalit\u00e4t gelebt. Hei\u00dft, es hat sich nicht nur der Unterricht oder die Ausstattung, sondern auch die gesamte Kommunikation und Didaktik komplett ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber was hei\u00dft das konkret?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe:<\/strong> Dass wir zum Beispiel weniger synchronen Frontalunterricht haben, in dem eine Lehrperson im Zentrum und vorne steht und 30 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler alle mehr oder weniger gleichzeitig (vermeintlich) das Gleiche tun. Das wird der nachweisbaren Heterogenit\u00e4t der Sch\u00fclerschaft nicht gerecht. Schule von heute basiert auf der Idee einer Schule von vor 150 Jahren. Wir k\u00f6nnen Leistungen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern im Zeitalter des Internets, nicht mehr dahingehend bewerten, dass sie gut Dinge auswendig gelernt und sich der Schule angepasst haben. Das ist keine Qualifikation, die sie noch brauchen und die zeitgem\u00e4\u00df ist. Das sagt auch Andreas Schleicher, internationaler Koordinator der Pisa Vergleichsstudie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und was kommt stattdessen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe: <\/strong>Asynchrones, selbst\u00e4ndiges, pers\u00f6nliches Lernen, dass nicht unbedingt vor Ort im Gleichtakt in der Schule passieren muss. Das Stellen von Fragen zu selbst gew\u00e4hlten Lerngegenst\u00e4nden, deren Bedeutung sich durch Kommunikation und partizipative Prozesse im Netz ergeben. So lernen sie Recherche, das Abw\u00e4gen von Standpunkten, das Einsch\u00e4tzen von Quellen und das Bewerten von Informationen. Das brauchen unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler heute.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Haben Sie mal ein Beispiel?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe: <\/strong>Ich bin Informatiklehrer, nehme jetzt aber mal ein Beispiel aus dem Fremdsprachenunterricht. Wie toll w\u00e4re es denn, man k\u00f6nnte jeder Sch\u00fclerin und jedem Sch\u00fcler eine Fremdsprachen-Partnerin aus einem anderen Land zuteilen. Die k\u00f6nnten dann miteinander chatten. Oder sich per Videokonferenz austauschen, um bestimmte Problemstellungen miteinander zu bearbeiten. Sprache lernen durch Sprache aktiv sprechen in einer authentischen (echten) und nicht k\u00fcnstlich erzeugten Kommunikationssituation. Besser geht es doch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das klingt revolution\u00e4r f\u00fcr Schule.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David  Tepa\u00dfe: <\/strong>Aber das ist, was Schule kann! Und meines Erachtens ist es die Richtung, in die sich Schule ver\u00e4ndern muss.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber zurzeit wird der Einsatz Sozialer Medien und freies Lernen zuhause doch eher als Ablenkung oder ineffektiv gewertet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe: <\/strong>Weil das Gef\u00fchl da ist, dass Erwachsene, ob Lehrer oder Eltern, dann die Kontrolle nicht haben. Was ja nicht stimmt. Wenn ich die Kultur der Digitalit\u00e4t lebe, kann ich trotzdem Lernprozesse in den Blick nehmen, Beratungsgespr\u00e4che anbieten, digital gest\u00fctzt Feedback geben. Zudem k\u00f6nnen Fehler viel mehr zugelassen und positiv genutzt werden und man kann weg von so vielen punktuellen Leistungspr\u00fcfungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber von solchen Aufgaben sind wir weit entfernt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David  Tepa\u00dfe:<\/strong> Jein. Mit der richtigen Ausr\u00fcstung kann man das auch schon jetzt in der Sekundarstufe I machen. In den oberen Stufen noch nicht, weil die zentralen Pr\u00fcfungen das noch nicht erlauben. Aber ich glaube, da wird nun eine Menge passieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun kennen Sie sich extrem gut aus und konnten an Ihrer Schule deshalb schon eine Menge bewirken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe: <\/strong>Aber genau so muss es jede Schule machen: Sich selbst aufstellen, kreativ werden, Leute mit Know-how einbeziehen \u2013 vor allem auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und Eltern! Das passiert derzeit auch viel zu wenig. Und auch das ist Kultur der Digitalit\u00e4t: Alle auf allen Ebenen in Entwicklung mit einbeziehen und partizipieren lassen (\u201eWorking out Loud\u201c). Wir haben beispielsweise schon ganz fr\u00fch eine AG Digitalisierung gegr\u00fcndet, in der vor allem Eltern und Sch\u00fclerinnen sowie Sch\u00fcler mitgewirkt haben. Das hat einen unglaublichen Schub gegeben!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie brennen aber auch f\u00fcr das Thema.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Tepa\u00dfe: <\/strong>Ja klar. Und das muss nicht jede Schulleiterin \/ jeder Schulleiter. Es muss sich aber jede Lehrperson, f\u00fcr das Thema \u00f6ffnen, wir k\u00f6nnen uns nicht mehr leisten, Systembewahrer zu bleiben. Wir m\u00fcssen alle Innovatoren werden. Wer jetzt weiter auf Anweisungen von oben wartet, bleibt auf der Strecke.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte: <\/strong>Anneke Quasdorf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der NW vom 20.7.2020 Herr Tepa\u00dfe, stellen wir uns mal eine ideale Welt vor. In der ist jede Schule optimal mit Soft- und Hardware ausger\u00fcstet und Lehrer und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wissen auch, wie man alles bedient. Wie kann diese moderne Schule aussehen? 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